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Professionell Sprechen

Alle Menschen sprechen. Also sind wir auch alle Sprecher:innen? Nein. Zumindest nicht im professionellen Sinne.

Ebenso, wie alle Menschen laufen, macht sie das noch nicht zu professionellen Sportler:innen, die bei den Olympischen Spielen mitlaufen und Sponsorings erhalten.

Um professionell zu sprechen oder zu laufen, braucht es Training und Erfahrung. Eine gute physische Grundlage hilft. Doch erst durch das Trainieren dieser, wird daraus eine Profession, die auch gefragt ist.

Und dann gibt es, als Kirsche auf der Sahnetorte, noch das besondere Mysterium, das man nicht erlernen kann, das in einem steckt oder eben nicht und einen zu einem:r herausragenden Sprecher:in oder Läufer:in machen kann.

Ausbildung

Die Berufsbezeichnung „Sprecher:in“ ist, ebenso wie die Bezeichnung „Schauspieler:in“ nicht geschützt. Das heißt, jede:r kann sich eine Website bauen und sich darauf als „Sprecher:in“ bezeichnen.
Zu Buchungen als professionelle:r Sprecher:in oder Anerkennung innerhalb der Branche führt dies jedoch nicht. Hiefür bedarf es einer entsprechenden Ausbildung, die hörbar ist, sowie einem Erwerb von Berufserfahrung und Referenzen.

Schauspielausbildung

Der übliche Weg in den Sprecherberuf ist eine 3-4-jährige Schauspielausbildung. In dieser erwirbst und übst du das Sprechhandwerk, lernst alles zum Thema Phonetik, Stimmsitz, Sprachmelodie, sowie Fachausdrücke, mit welchen du in Regiewanweisungen konfrontiert wirst. Darüber hinaus lernst du, dir fremde Texte zu eigen zu machen und glaubwürdig zu interpretieren.

Im Anschluss an die Schauspielausbildung kannst du dein Know-how durch Workshops und Seminare bei etablierten Profis aus dem Mikrophonsprechen verfeinern, sodass du dein Können auch auf das Mikrophon und in den tatsächlichen Arbeitsablauf übertragen kannst.

Sprecherkinder

Eine Ausnahme zur Schauspielausbildung bilden regelmäßig die Sprecher:innen, die bereits als Kinder vor dem Mikro stehen und in den Beruf hineinwachsen.

Quereinsteiger:innen

Auch als Quereinsteiger:in ist es möglich in dem Beruf Fuß zu fassen, der Weg ist jedoch deutlich beschwerlicher, da du dir in diesem Fall dein Training über mehrere Jahre bei unterschiedlichen Trainer:innen selbst organisieren musst. Auf dem Markt wimmelt es von Anbieter:innen, die dir Versprechungen machen, wie z.B. „In drei Monaten zum Profi-Sprecher“ u.ä.. Derlei Versprechungen sind unseriös und dienen nicht dazu, dich in den Beruf zu bringen, sondern dem Anbieter die Taschen zu füllen. Um ein Sprech-Profi zu werden benötigst du jahrelange Ausbildung und Übung.

Wende dich an Trainer:innen, die dich gezielt in bestimmten Bereichen coachen können. Gute Trainer:innen erkennst du z.B. daran, dass diese selbst etablierte Sprecher:innen oder Sprachregisseur:innen sind, VDS-Mitglieder sind oder bereits etablierte Sprecher:innen sich von diesen coachen lassen. Darüber hinaus werden sie dir keinerlei Versprechungen machen, dass du im Anschluss ein Profi bist oder großes Geld mit dem Sprechen verdienen wirst.

Nimm dir Einzelunterricht, um an deinen persönlichen Themen zu arbeiten und ergänze diesen durch Gruppen-Seminare.
Im Verlauf kannst du dich spezialisieren, wenn du dich für einen bestimmten Bereich interessierst, wie z.B.: Werbung, Synchron, Hörbuch, Dokumentation & Reportagen.

Möchtest du Synchronsprechen, so ist es fast unmöglich, ohne eine Schauspielausbildung in dieser Sparte Fuß zu fassen, da das Synchronsprechen (auch „Synchronschauspiel“), immer auch ausgebildete Schauspielfähigkeiten verlangt, da hier Rollen glaubwürdig interpretiert werden sollen.

Qualitäten eines:r Profisprecher:in

Umsetzen

Einen Text schön vorlesen / interpretieren zu können oder eine interessante Stimme zu haben, ist eine gute Voraussetzung für das Sprechen, macht dich jedoch noch lange nicht zum Profi.
Denn beim professionellen Sprechen musst du vor allem in der Lage sein, die Wünsche der Regie oder deines:r Kund:in spontan und vielfältig umzusetzen.
Meist erhältst du deinen Text nicht im Vorfeld, kannst ihn nicht vorbereiten und selbst wenn – dein:e Kund:in möchte ihn vielleicht ganz anders interpretiert haben, als du es dir vorgestellt hast und dann musst du in der Lage sein, dich umgehend von „deiner“ Interpretation zu lösen.

Deine Aufgabe ist es also, ganz egal, was du von dem Wunsch der Regie hältst, diesen möglichst gut und glaubwürdig spontan zu erfüllen – in Sprechstil, Betonung, Timing, Melodie, Tonhöhe uvm..

Sprechhandwerk

Das Sprechen fußt auf einem erlernbaren Handwerk. Dieses musst du aus dem Effeff beherrschen und, ohne darüber nachzudenken, anwenden können. Hierzu gehört z.B. das Wissen um Phonetik, das Beherrschen deines Stimmsitzes, das glaubwürdige Sprechen, das Erkennen und Betonen von sinngebenden Worten, das bewusste Steuern deiner Sprachmelodie, das Know-how von Fachwörtern, sodass du Anweisungen verstehen und umsetzen kannst, wie z.B.: „Komm hier bitte auf Punkt.“ oder „Mach mir das nochmal mit mehr Stütze.“

Verständnis & Allgemeinbildung

Du hast als Sprecher:in natürlich kein Fachwissen über jedes Thema, welches in deinen Texten vorkommt. Deine Aufgabe ist es jedoch, diese Texte so zu interpretieren, als hättest du dieses Wissen. Hierzu musst du in der Lage sein, deine Texte, den Sinn dahinter, die treibenden Emotionen, das Erreichen der Zielgruppe usw. zu verstehen. Du musst dich also einfühlen können – sowohl in die sprechende Person, welche du interpretierst, als auch in die Personen, zu denen du sprichst und in die Regie, um deren Anweisungen zu verstehen. Eine gewisse Allgemeinbildung hilft dir dabei, Inhalte einzuordnen.

Kommunikation

Eine fertige gute Sprachaufnahme ist (eine Professionalität aller Beteiligten vorausgesetzt) immer das Ergebnis gelungener Kommunikation. Nur, wenn du die Anweisungen verstehst, nachfragst und einen zugewandten Kommunikationsstil pflegst, kannst du verstehen und umsetzen, was von dir gewünscht wird. In vielen Sessions wird mehr zwischen Kund:innen, Agentur, Regie und Engineering kommuniziert als tatsächlich aufgenommen.

Kritikfähigkeit

Ein wichtiger Teil des Sprecherberufs ist es, Kritik dankend zu empfangen und aus dieser eine Umsetzung zur Zufriedenheit aller Beteiligten zu generieren. Bist du nicht kritikfähig, reagierst du mit Widerstand auf Kritik, so bist du nicht in der Lage, die an dich gerichteten Wünsche bestmöglich umzusetzen und verfehlst damit deine Aufgabe.

Timing

Das Timing in der Sprache spielt grundsätzlich für den Ausdruck eine große Rolle. Hierfür benötigst du Rhythmusgefühl. Bist du musikalisch und hast z.B. schon ein Instrument erlernt, so kann dies dabei helfen.

Darüber hinaus gibt es viele Bereiche im Sprechen, bei welchen ein konkretes Timing notwendig ist. Allen voran das Synchronsprechen, bei welchem du deinen Text eins zu eins auf die Lippenbewegungen eines anderen Menschen sprechen musst. Aber auch bei Games werden mittlerweile viele Produktionen „über Ohr“ synchronisiert. Das heißt, dein Text muss genau so lang gesprochen sein, wie das Original – unabhängig davon, ob dein Text mehr oder weniger Silben beinhaltet. Ebenso bei der Werbung, in Imagefilmen und Erklärfilmen, liegen häufig fertige Filme oder fremdsprachige Originale vor, bei welchen du „auf Bild“ sprechen musst – deine Sprache also bestimmte Bilder genau treffen muss, damit Film und Sprache nachher miteinander harmonieren.
Um dieses Timing zu beherrschen, braucht es viel Übung.

Verlässlichkeit

Studiozeit, Agenturen und Kund:innen sind meistens sehr eng getaktet. Pünktlichkeit ist eine unabdingbare Voraussetzung als Sprecher:in. Auch solltest du dich vor der Session bereits warm gesprochen haben, sodass du ab Beginn der Session mit 100% Konzentration und 100% Stimme am Start bist.

Belastbarkeit

Eine Aufnahmesession verlangt von dir ein Höchstmaß an Konzentration, Wachsamkeit, positiver Einstellung, Stimmakrobatik und Sprechmuskel-Einsatz. Gerade bei längeren Texten, einer Vielzahl an einzusprechender Takes oder Spots oder bei Rollen, die viel laut schreien und brüllen, musst du in der Lage sein, deine Energie sinnvoll einzusetzen, mit dieser hauszuhalten und deine Muskulatur und Stimmbänder im Blick zu haben.
Ähnlich wie beim Stehen auf der Bühne, brauchst du während einer Session von allem was du hast 100%.

Schnitt & Tonbearbeitung

Als Sprecher:in musst du nicht in der Lage sein, selbst zu schneiden oder Ton zu bearbeiten. Du solltest jedoch wissen, wie Ton- und Filmschnitt funktioniert und wie der Ton bearbeitet werden kann.

Bist du Hersteller:in von Gitarrensaiten, reicht es nicht aus, sich mit Gitarrensaiten auszukennen. Du brauchst das Wissen um die Funktion und den Aufbau der gesamten Gitarre, musst wissen, wie deine Saiten mit dem Instrument verbunden werden und sich beide gegenseitig bedingen.

Ebenso verhält es sich mit der Sprache. So solltest du z.B. wissen, wo in deiner Sprache geschnitten werden kann und wo nicht. Daraus ergibt sich z.B., wo du neu ansetzt, wenn du dich versprichst oder wieviel Zeit du dir zum Atmen und in Pausen gönnst. Auch solltest du wissen, ob z.B. ein zu stark gestoßenes „P“ sich in der Tonbearbeitung heraus arbeiten lässt oder nicht, sodass du den Satz ggf. wiederholst usw..

Flexibilität & Verfügbarkeit

Sprechjobs werden oft kurzfristig terminiert und sind zeitlich wenig flexibel. Bist du selbst also zeitlich nicht flexibel, da du zusätzlich in einem anderen Beruf stärker eingenommen bist, wird es schwierig für dich, den Terminwünschen deiner Auftraggeber:innen nachzukommen. Auch solltest du in der Lage sein, zeitnah auf Anfragen per Mail oder Telefon reagieren zu können.

Marketing

Gerade im Bereich Werbesprechen (wozu im weiteren Sinne auch Imagefilme, Erklärfilme, E-Learnings usw. zählen), musst du deine Stimme auch gut vermarkten, damit sie überhaupt gebucht werden kann. Dazu gehört mindestens eine Website, auf welcher deine Referenzen ersichtlich sind und man deine Demos anhören und herunterladen kann.

Verhandlungen & Buchhaltung

Als Sprecher:in bist du (außer im Bereich Synchron & Games), selbstständig tätig. Das heißt, du bist Einzelunternehmer:in. Das Verhandeln deiner Gagen, das Erstellen von Angeboten, Rechnungen und Rechteübertragungen gehört also zu deinem Berufsalltag. Auch eine regelmäßige Buchführung und die Abgabe einer Steuererklärung ist verpflichtend.

Zur Berechnung deiner Gagen hilft dir der VDS-Gagenkompass als Orientierung.
Als VDS-Mitglied erhältst du im internen Bereich darüber hinaus eine Vielzahl an Hinweisen, Tipps und Rechtstexten für deine berufliche Tätigkeit, wie z.B. AGB, Umsatzsteuerberechnung, Sozialabgaben uvm..

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